Hessischer Bildungsserver / Grundschulen in Hessen

1. Aufgabe der Grundschule

Die Grundschule prägt als erste Schulstufe das Kind in einem Alter höchster Lernfähigkeit für seinen weiteren Bildungs- und Lebensweg. Sie gründet sich auf die demokratische Staatsverfassung und ist deren Grundrechten und gemeinschaftsbezogenen Erziehungszielen uneingeschränkt verpflichtet.

Das Recht auf schulische Bildung und die Verpflichtung zum Schulbesuch werden durch das Hessische Schulgesetz gesichert. Der hier festgelegte Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule ist auf die bestmögliche Entfaltung der Persönlichkeit der Mädchen und Jungen gerichtet und schließt die Sorge um ihr physisches und psychisches Wohl mit ein. Die Grundschule hat insoweit auch sozialpädagogische Aufgaben.

Die der Grundschule zugewiesene Aufgabe grundlegender Bildung für alle Kinder hat eine doppelte Bedeutung: erstens ist sie (Allgemein-) Bildung in allen wesentlichen Kulturbereichen zur allseitigen Persönlichkeitsentfaltung, und zweitens dient sie als (Ausgangs-) Bildung für die differenzierten weiteren Bildungswege.

Die Grundschule hilft Mädchen und Jungen, sich auf ihre Weise mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und ihre Kräfte und Fähigkeiten in gelebter Gegenwart auszubilden; zum anderen hat sie den Kindern die geistigen, moralischen und praktischen Grundlagen für die künftigen Aufgaben in der Gesellschaft zu vermitteln.

Erziehung und Bildung sind immer an Wertvorstellungen und ethische Grundsätze gebunden, wie sie u.a. im Artikel 56 Abs. 4 der Verfassung des Landes Hessen und in Paragraph 2 des Hessischen Schulgesetzes genannt sind. Es gilt, eine Grundhaltung der Solidarität, der gegenseitigen Achtung und Hilfsbereitschaft auszubilden. Gleichzeitig sind zunehmende Sicherheit und Ausgewogenheit im moralischen, sozialen und politischen Urteilen anzustreben.

Elternhaus und Schule unterstützen sich gegenseitig in ihrem gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Dabei beachtet die Schule das in Artikel 6 Abs. 2 Grundgesetz niedergelegte Recht und die Pflicht der Eltern auf Pflege und Erziehung der Kinder. Zur Erziehung in der Familie tritt der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule, wie er in Artikel 7 Abs. 1 Grundgesetz und Artikel 56 Abs. 1 Hessische Verfassung verfassungsrechtlich begründet ist, hinzu.

Erwachsenen kommt große Verantwortung zu- insbesondere im Elternhaus und in der Schule. Ihr Verhalten gegenüber Kindern ist entscheidend dafür, ob Jungen und Mädchen die Chance erhalten, die oben genannten Grundfähigkeiten zu entwickeln. Erziehung und Unterricht sind nicht zu trennen in Verhaltenstraining, Charakterbildung und Wissensvermittlung, sondern bilden unter dem Ziel der Mündigkeit eine Einheit.

Die auf Mündigkeit, Lebenstüchtigkeit und Demokratiefähigkeit zielenden Erziehungs- und Bildungsaufgaben gelten grundsätzlich. Sie müssen die sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Lebensverhältnisse der Kinder berücksichtigen.

Sie erhalten so eine spezifische Akzentuierung.

Gelegenheiten und Formen gemeinschaftlichen Zusammenlebens und -arbeitens wirken der Vereinzelung und teilweise auch Selbst-Isolierung vieler Kinder entgegen.

Angebote und Maßnahmen der Schulen- auch in Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen (Verbänden, Kirchen)- unterstützen Familien bei ihren Erziehungsaufgaben.

Der Anspruch auf Gleichberechtigung von Mann und Frau erfordert eine konstruktive Veränderung der traditionellen Rollen und Verhaltensweisen von Mädchen und Jungen und ein gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter.

Das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern entspricht der gesellschaftlichen Aufgabe, die Integration von Behinderten zu fördern.

Die Erziehung zu Rücksicht und Mitmenschlichkeit wirkt der unter Existenz- und Konkurrenzdruck wachsenden Tendenz zu rigoroser Durchsetzung eigener Ziele entgegen.

Der Auftrag, Kinder zum Frieden zu erziehen, erfordert angesichts der Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft, der Gewaltdarstellungen in den Medien und der Gewalttätigkeiten zwischen Völkern, sie dazu zu befähigen, Konflikte und persönliche Probleme ertragen oder gewaltfrei bewältigen zu können.

Die Ausbildung von interkulturellem Verständnis und Toleranz gegenüber Fremdem und Fremdartigem erfordert- insbesondere angesichts der Anwesenheit ausländischer Kinder und in Hinblick auf die europäische Vereinigung- eine möglichst frühe Begegnung mit fremden Sitten, Gebräuchen und Sprachen.

Die bedrohliche Ausbeutung und Zerstörung der natürlichen Umwelt erfordern die Heranbildung eines vertieften ökologischen Bewußtseins und verantwortlichen Umgang mit der Natur und ihren Lebewesen.

Die Anbahnung eines Urteils- und Entscheidungsvermögens und von Verzichtbereitschaft kann Kindern helfen, den von der Medienwerbung geweckten Konsumwünschen und Lebensansprüchen kritisch zu begegnen.

Die fortschreitendeTechnisierung auch schon in der kindlichen Lebenswelt erfordert eine Intensivierung der sinnlichen Aufnahmefähigkeit und die Anbahnung eines sinnvollen und verantwortbaren Umgangs mit technischen Gegenständen.

Die aktive und handelnde Begegnung mit der Umwelt wirkt dem Verlust an unmittelbarer, nicht durch Medien vermittelter Erfahrung entgegen.

Die zunehmend verplante Freizeit von Kindern erfordert es, ihnen in der Schule Raum und Zeit für Selbstfindung, Selbstbestimmung und Selbsttätigkeit zu eröffnen.

Die immer differenzierter und wechselvoller werdenden Lebens- und Berufsaufgaben erfordern eine Erziehung zu Kreativität, Flexibilität und lebenslanger Lernbereitschaft.

Insgesamt gilt es, auch unter sich verändernden Lebensbedingungen das Selbst- und Umweltvertrauen der Kinder zu erhalten, ihre Lebens- und Lernfreude, ihre Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft zu unterstützen, ihren Willen zu staatsbürgerlicher und sozialer Verantwortung zu stärken sowie sie zu befähigen, sich selbst lohnende Lebensziele zu setzen, sie zu verantworten und zu verwirklichen.